Zum Problem der Bürgerbestimmung in der aristotelischen Politik

Jakub Jinek

Resumen


Zusammenfassung: Der Artikel wendet sich gegen die übliche Deutung der These von Aristoteles, der Bürgerbegriff richtet sich immer nach der Polis-Verfassung. Aristoteles proklamiert mit dieser Äußerung keinen bloß deskriptiven Gesetzpositivismus oder Verfassungsrelativismus. Er möchte damit eher seine Vorstellung des guten Polis-Lebens in den Vordergrund rücken, das aus einer Varietät der Lebensorientierungen besteht und das – insofern es allgemein wünschenswert ist – für alle Poleis normativ ist. Nur unter solchen Umständen kann die Verfassung als „das Eidos der Polis“ bezeichnet werden, an dem sich der Polites-Begriff orientieren soll. Der Bürger wird dadurch relativ breit aufgefasst und die gesamte Argumentation gleicht somit einem Plädoyer für die Volksverfassung (Politeia). Auf der anderen Seite stellt die Bürger-Definition eine wahrhaft aristotelische begriffliche Einschränkung, die ermöglicht, die Tugend des guten Mannes gegenüber der gemäßigten Normativität der bürgerlichen Tugend abzustufen und dadurch die guten Verfassungen auch gegeneinander zu differenzieren.

Schlüsselwörter: Aristoteles Politik, Bürgerbestimmung, Politische Verfassung, Staatsbürgerschaft

Abstract: The paper disproves the widely held interpretation of Aristotle’s statement that the concept of the citizen varies with the constitution. I claim that it gives no evidence for any positivism or constitutional relativism. What Aristotle truly intends here is to put emphasis on his idea of the good life in a city that consists of a variety of Jakub Jinek Π Η Γ Η / F O N S I (2016), 123-144 124 forms and ways. This variety is generally desirable and thus prescriptive. It is only under these conditions that the constitution is „the Form of the city“ which determines the citizenship. The concept of the citizen is thus conceived as rather broad and the argument reveals to be a plea for the rule of majority (polity). But on the other hand, the definition of citizen enables to distinguish the virtue of the good man from that of the good citizen und thus to differentiate among the good constitutions.

Keywords: Citizenship, Constitution, Polity, Aristotelian Politics

 

doi: http://dx.doi.org/10.20318/fons.2016.2528

 


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ΠΗΓΗ/FONS EISSN 2445-2297, editada por el Instituto de Estudios Clásicos sobre la Sociedad y la Política "Lucio Anneo Séneca"
Universidad Carlos III de Madrid